Gesundheit

Bereits vor der Corona-Pandemie stand unser Gesundheitssystem vor großen Herausforderungen, sei es im ambulanten oder stationären Sektor. Insbesondere die Krankenhäuser, angefangen bei den regionalen Versorgern bis hin zu den Universitätskliniken, haben seit der Reform des Krankenhausfinanzierungsgesetzes und dem damit Einzug gehaltenen Fallpauschalensystem (gDRG) große Hürden zu bewältigen, um ihrer Aufgabe, der qualitativ hochwertigen Versorgung kranker Menschen, nachzukommen.

Damit einher gingen stetige Veränderungen der dualen Finanzierung. Landkreise und Kommunen entzogen sich immer mehr ihrer Verpflichtung, die Investitionen der Krankenhäuser zu tragen, sodass die Krankenhäuser gezwungen waren, dies aus den in meinen Augen hierfür zu knapp bemessenen Fallpauschalen zu decken. Es kam flächendeckend zu einem Investitionsstau und zu einer zunehmenden Privatisierung in der Krankenhauslandschaft. Gesundheit als Renditeobjekt, ist in meinen Augen kein tragfähiges Konzept. Mein bestreben ist es die Förderung durch Land, Kreis und Kommunen zu stärken, den Stau der Investitionen zu beseitigen um die Kliniken nachhaltig modernisieren zu können.

Pflegekräfte sind seit Jahren die Leidtragenden der Entwicklung im Gesundheitswesen. Obgleich die Personaluntergrenzenverordnung ein guter Versuch war, einen Mindeststandard zu erreichen, ist es mit Blick auf die realen Bedingungen eine Farce. Es mangelt an Pflegekräften, der Markt ist leer gefegt, qualitativ hochwertiges Pflegepersonal ist rar. Auf Länderebene hier eine grundlegende Besserung zu erreichen erscheint relativ wenig erfolgsversprechend zu sein. Als Dozent der Krankenpflegeschule und Prüfer im Examen bin ich seit Jahren an der Ausbildung von Gesundheits und Krankenpflegern beteiligt, daher ist es mir ein muss, mich dafür einzusetzen die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Attraktivität des Pflegeberufes zu stärken.

Auch die in der präklinischen Notfallmedizin wichtigen Notfallsanitäter sollten bezüglich ihrer regelhaften Befugnisse gestärkt werden. Die Einführung der Notfallsanitäter sollte den Rettungsdienst stärken indem der Rettungsassistenten als regulärer Ausbildungsberuf gestärkt und damit die Qualität der Notfallmedizin verbessert werden. Damit einhergehen stand die sogenannte Regelkompetenz im Raum, welche es dem gut ausgebildeten Personal gestatten sollte, bei spezifischen Notfällen auch ohne explizierte ärztliche Anweisung eventuell lebensrettende Medikamente legal zu verabreichen. Die Corona-Pandemie hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass wir in Deutschland hervorragend ausgebildetes Rettungsdienstpersonal haben, welches in der Lage ist, die ihm zugestandenen Kompetenzen mit großem Sachverstand einzusetzen. Auch mit Blick auf den Mangel an Notärzten, insbesondere im ländlichen Gebiet, sollten die Kompetenzen der Notfallsanitäter über die Corona-Krise hinaus erhalten und gesetzlich gestärkt werden. Ich selbst war lange Jahre als Rettungsassistent beim DRK tätig, daher liegt mir dieser Punkt besonders am Herzen.

Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten unterstützen ebenso wie Pflegekräfte das ärztliche Personal in nicht unerheblicher weise dabei, den Gesundheitszustand der Patienten zu stabilisieren oder gar zu verbessern. Ob in den Kliniken oder ambulant sind sie essentieller Bestandteil einer vollumfänglichen Behandlung kranker. Es gilt daher diese Berufsbilder zu stärken, deren Attraktivität zu verbessern und perspektivisch weiter zu entwickeln.

NIcht vergessen werden darf die sehr wichtige ambulante Versorgung, welche in jedem Falle gestärkt werden muss. Haus- und Fachärzte werden stetig weniger. Eine Nachfolge für eine Landarztpraxis zu finden gestaltet sich ebenso schwierig, wie es ist Fachärzte in die ländlichen Raum zu locken. Dabei ist die unsägliche Bürokratie, deren  Abbau voran getrieben werden muss um die eigentliche ärztliche Tätigkeit wieder in den Vordergrund zu rücken, nur eines der anzugehenden Themen. Studien konnten zeigen, dass es den zukünftigen Medizinern immer wichtiger wird, das zu realisieren, was in anderen Berufsgruppen bereits selbstverständlich ist. Teilzeitmodelle, Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei allen Geschlechtern,  Verminderung des finanziellen und unternehmerischen Risikos sind nur einige Punkte. Neue Konzepte sollten gefördert werden. Dabei wird medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in der Zukunft eine immer größere Bedeutung zukommen. Sei es zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Gebiet, als auch im Sinne von Ärztehäusern, die eine medizinische Versorgung an einem Ort und aus einem Guss ermöglichen können. Als Arzt und Liberaler ist es mir ein großer Wunsch, hier maßgeblich an einer Verbesserung der Situation beteiligt zu sein. Hierfür werde ich mich in unser aller Interesse engangieren.